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KOLUMBIEN

ÜBERSICHT – KOLUMBIEN

Kolumbien war nach Mexiko, Costa Rica und Ecuador das letzte Land unserer dreimonatigen Reise durch Lateinamerika. Wir wussten, dass es heiß werden würde – doch Rincon del Mar zeigte uns, wie unerträglich die Hitze tatsächlich sein konnte. Die nebelverhangenen Wachspalmen im Valle de Cocora luden uns zu einer mehrstündigen Wanderung ein, während wir die trockenen, sonnenverbrannten Llanos zu Fuß, zu Pferd und mit dem Boot erkundeten. Endlich sahen wir Capybaras, Rote Brüllaffen und viele weitere Arten, die schon lange auf unserer Bucketlist standen. In Medellín tauchten wir in die faszinierende Geschichte der Stadt ein – eine Stadt, die so viel mehr zu bieten hat, als viele wahrnehmen. Wir begegneten Pablo-Escobar-Lookalikes in den Straßen, entschieden uns jedoch bewusst gegen eine der berüchtigten Touren über sein Leben. Stattdessen bekamen wir einen Einblick, wie sehr Millionen von Menschen unter der Herrschaft der Gewalt gelitten hatten.

PALOMINO & DIE FLAMINGOS

Nach einem langen Flug von Quito über Bogotá nach Santa Marta stiegen wir in einen heißen Bus, der uns in zweieinhalb Stunden nach Palomino brachte – einem kleinen Ort am Strand, der, wie wir leider erst später erfuhren, von ausgewanderten Europäer*innen belagert wurde. Hier konnte man surfen lernen und vegan brunchen.

Nach einigen Tagen am Pool, am Strand und irgendwo dazwischen zog es uns nach Camarones zu den Lagunen, in denen Flamingos leben. Nach einer anderthalbstündigen Busfahrt wurden wir einzeln auf Motorräder gesetzt – und dann ging es eine Stunde lang in der prallen Mittagssonne über kleine Inseln in den Lagunen. Irgendwann erreichten wir einen Bootsanleger, wo bereits ein kleines, wackeliges Segelboot auf uns wartete. Nach kurzer Zeit sahen wir sie endlich: 2000 Kuba-Flamingos (Phoenicopterus ruber). Da wir uns sehr leise verhielten, konnten wir erstaunlich nah an die Tiere herankommen. Einige flogen auf, doch die meisten blieben nur neugierig stehen und beobachteten uns.

Nach unzähligen Fotos und Videos machten wir uns auf den Rückweg. Wieder eine Stunde Fahrt durch die Gluthitze, ein kurzes Getränk im Schatten – und dann zurück mit dem Bus nach Palomino. Der Pool in unserem Hostel wartete schon auf uns!

PLANKTON, HITZE und ein Geheimtipp

Nach einigen entspannten Tagen ließen wir Palomino hinter uns und fuhren nach Cartagena, wo wir die Stadt und ihre bewegte Geschichte erkundeten. Doch schon bald zog es uns wieder ans Meer – und ich hörte von einem Geheimtipp: Rincón del Mar.

Das Dorf bestand tatsächlich nur aus einer Sandpiste, einigen Hotels und verstreuten Häusern. Bei unserer Ankunft funktionierte der Strom nicht, da gerade die Leitungen erneuert wurden – also keine Klimaanlage. Komplett verschwitzt liefen wir direkt ans Meer. Die Szenerie war idyllisch, die Liegen mit Sonnenschirmen kostenlos. Nach einer eiskalten Cola Zero stürzten wir uns ins Wasser – und hielten schlagartig die Luft an: Das Meer hatte mindestens 33 Grad. Es musste also eine Alternative her. Wir fanden eine Tour durch die angrenzenden Mangroven für den nächsten Tag und eine weitere, bei der man in leuchtendem Plankton schwimmen konnte. Beides klang vielversprechend, und wir freuten uns bereits auf die Rückkehr der Klimaanlage. Die Mangroven-Tour war wunderschön, auch wenn unser Guide nur Spanisch sprach. Doch mit ein wenig Mühe verstanden wir das Wichtigste. Auf dem Festland zeigte er uns ein Baby-Faultier in einem Baum sowie die verschiedenen Mangrovenarten und ihre einzigartigen Merkmale.

Die Plankton-Tour war da schon ereignisreicher. Mit voller Geschwindigkeit rasten wir über das Meer zu einer kleinen Insel, die von unzähligen Meeresvögeln bevölkert war. Wir schwammen um sie herum und bestaunten den Sonnenuntergang – doch das eigentliche Highlight sollte erst noch folgen. Unser Kapitän steuerte das Boot in die Mangroven, und dann sahen wir es: Bei jeder Bewegung begann das Wasser zu leuchten. Es war magisch. Als es schließlich stockdunkel war, durften wir ins Wasser springen und dieses Naturwunder aus nächster Nähe erleben. Die Rückfahrt allerdings war die reinste Tortur. Wir saßen ganz vorne im Boot – genau dort, wo es bei jeder Welle am heftigsten aufschlug. Unser Steißbein protestierte schmerzhaft, wir waren klatschnass, es war finster, und im Restaurant angekommen, gab es kein vegetarisches Essen mehr.

Umso erleichterter waren wir, als es am nächsten Tag endlich weiter nach Medellín ging.

DIE GEFÄHRLICHSTE STADT IN KOLUMBIEN

Die Nachtbusfahrt dauerte 14,5 Stunden – nach zehn Stunden gab es erstmals die Möglichkeit, etwas zu essen. Dementsprechend war auch unsere Laune angeschlagen. Komplett erledigt kamen wir endlich in unserem Hotel an, und nach einem kurzen Nickerchen ging es schon wieder los.

Unser eigentliches Ziel war eine Pablo-Escobar-Tour, doch wir wussten noch nicht, was auf uns zukommen würde. Also erkundeten wir die Stadt zu Fuß und besuchten das Museo Casa de la Memoria (dt. Haus der Erinnerung). Das Museum setzt sich mit den Bürger- und Drogenkriegen des Landes seit 1948 auseinander. Interaktiv konnte man durch digitale Zeitungsarchive scrollen und auf Displays verschiedene Grafiken und Statistiken betrachten – ein gelungener Einstieg in die Geschichte dieser Stadt.

Am Nachmittag nahmen wir an einer Free Walking Tour durch die Comuna 13 teil. Noch 1991 zählte das Viertel zu den Orten mit den höchsten Mordraten der Welt, heute befindet es sich im Wandel. Viele Graffiti und Murals erzählen von der Gewalt, die vor 30 Jahren hier herrschte. Heute prägen Nachtclubs, Bars und eine lange Freiluftrolltreppe das Bild. Aber auch hier tauchte Pablo Escobar allgegenwärtig auf: Er lächelte auf T-Shirts, es gab Look-a-likes mit Funkgeräten, und man konnte Masken mit seinem Gesicht erwerben.

Wir lernten viel über die Stadt und das Land Kolumbien. Am Abend schauten wir noch eine Doku über die verschiedenen Akteure im Krieg um Drogen, Geld und Macht.

LORD VOLDEMORT IN KOLUMBIEN

Am nächsten Tag nahmen wir erneut an einer Free Walking Tour teil – diesmal ging es um Medellín selbst. Unser Guide Dio war noch ein Kind, als der Drogenkrieg die Stadt verschlang. Er nannte Escobar stets „Lord Voldemort“, denn man wusste nie, wer gerade zuhört.

Er erklärte uns das so: Die Generationen, die den blutigen Krieg auf den Straßen hautnah miterlebt hatten, hassen die Kartelle, die Drogen, Lord Voldemort und die allgegenwärtige Gewalt. Die Generationen, die danach geboren wurden, wuchsen hingegen mit einer veränderten Sicht auf diese Zeit auf. Serien und Filme, darunter Narcos, prägten das Bild von Escobar und stilisierten ihn zu einer Art coolen Drogenbaron. Ein Teil der heutigen Jugend sieht in ihm ein Vorbild.

Da viele Menschen in Medellín kaum Englisch sprechen, verstehen sie oft nur den Namen Pablo Escobar, nicht aber die kritischen Erklärungen, die die Guides dazu liefern.

Uns wurde schnell klar, dass auch wir von diesem verklärten Bild beeinflusst worden waren. Für uns war Lord Voldemort eine Art Kultfigur, jemand, der mit seinem Geld die arme Bevölkerung unterstützte. Doch nach Dios Erzählungen verabschiedeten wir uns endgültig von der Idee, eine einschlägige Tour zu buchen. Er berichtete uns, dass es den meisten Anbietern nicht um eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Geschichte gehe, sondern vielmehr darum, möglichst viel Geld mit Tourist*innen zu verdienen.

Nach dieser Tour verstanden wir die enorm komplexe Geschichte dieses Landes mit seinen unzähligen Kriegsparteien ein Stück besser.

Salento UND Filandia

Wir verließen Medellín mit neuen Sichtweisen und einem tieferen Verständnis für das Land und seine Bewohner*innen. Unser nächster Stopp war Salento – denn wir wollten unbedingt ins Valle de Cocora. Paula freute sich auf eine Wanderung, während ich hoffte, Kondore zu fotografieren.

Unsere Unterkunft war gemütlich, und der Gastgeber empfing uns mit großer Herzlichkeit. Nach einer sechseinhalbstündigen Busfahrt ohne Beinfreiheit gönnten wir uns eine Pause, bevor wir durch die Stadt schlenderten. Salento liegt auf etwa 2000 Metern Höhe, was für ein angenehm kühles Klima sorgt und das Wandern noch nicht allzu anstrengend macht.

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Jeep ins Valle de Cocora. Dort erwartete uns ein ganz besonderer Guide: ein Hund, der uns auswählte und uns zu den schönsten Aussichtspunkten führte. Leider wurde er uns auf einer Hütte von anderen Wandernden „abgeworben“, sodass wir den Abstieg alleine antreten mussten. Sechs Stunden waren wir insgesamt unterwegs, sahen unzählige Wachspalmen – aber keinen einzigen Kondor. Wir blieben noch einige Tage in Salento, unternahmen eine Reittour durch die Kaffeeplantagen, erkundeten die Stadt und erholten uns von den Strapazen der letzten Wochen. Dann hörten wir, dass Filandia noch schöner sein soll – also packten wir unsere Sachen und zogen weiter. Das schnelle Fazit: Filandia ist kleiner als Salento, aber gefühlt deutlich lebendiger. Die Auswahl an nicht frittierten vegetarischen Gerichten war allerdings eher begrenzt.

24H Bogotá

Mit neuer Energie ging es weiter Richtung Hauptstadt. Bogotá war unser Ziel – allerdings nur für einen kurzen Aufenthalt, denn nach 24 Stunden ging es bereits weiter mit dem Bus nach Yopal. Trotzdem schafften wir es, eine Free Walking Tour mitzumachen und einen Kunsthandwerksmarkt zu besuchen. Dabei erfuhren wir noch ein wenig mehr über die Stadt und ihre Geschichte und probierten auf dem Markt das lokale Getränk Chicha.

Um 1:00 Uhr nachts bestiegen wir schließlich den Bus nach Yopal.

DAS LETZTE GROSSE ABENTEUER IN KOLUMBIEN

Irgendwann kamen wir endlich in Yopal an und waren wieder Mal von der Hitze erschlagen. Wir suchten einen Busfahrer, der uns den richtigen Bus nach San Luis de Palenque zeigen konnte. Nach ein wenig hin und her und noch einmal umsteigen, saßen wir schlussendlich im richtigen Bus. Unser Gastgeber wartete schon in einem Restaurant auf uns. Nach einer kurzen Stärkung uns sehr vielen Neugierigen Blicken, anscheinend sieht man hier nicht so oft Touristen, mussten wir noch mitkommen seinen Sohn zum Kindergarten bringen und ihm Unterhosen kaufen, dann konnten wir endlich in die Unterkunft. Diese war großartig und bestand aus einem großen Haus und einem riesigen Grundstück. Unser Gastgeber war sehr nett und zeigte uns ein wenig die Umgebung, bevor wir selber einen Walk über das Grundstück machten. Schon nach kurzer Zeit sahen wir unzählige Vogelarten die wir zuvor noch nie gesehen hatten. Zurück im Zimmer mussten wir dann aber feststellen, dass wir beide von Zecken übersähet waren. Ein neues Abendritual, das Zecken Abglauebn, war geboren. Wir waren also in den Llanos angekommen.

LOS LLANOS - KOLUMBIEN

Der Tag begann damit, dass uns ein Taxi zur Ranch Hato Berlín brachte. Dort wurden wir herzlich von Heiler, dem Besitzer, und Yilmer, unserem Guide, empfangen. Nach einem kurzen administrativen Teil lernten wir unsere Pferde kennen – und schon ritten wir los, stundenlang durch die sonnenverbrannte Steppe der kolumbianischen Llanos.

Im Vorfeld hatten wir viel über die Tierwelt dieser Region gehört – und wurden nicht enttäuscht: Keine fünf Minuten nach dem Aufbruch entdeckten wir Dutzende Capybaras (Hydrochoerus hydrochaeris), die im Fluss schwammen, und hunderte kleinere Krokodilkaimane (Caiman crocodilus), die am Ufer dösten. Es war grandios. Dann fanden wir ein schlafendes Stachelschwein im Baum – und endlich auch die Roten Brüllaffen (Alouatta seniculus), unsere dritte Brüllaffenart dieser Reise. Während wir über die weiten Steppen ritten, erzählte uns Yilmer lokale Geschichten. Er sprach nur Spanisch, und wir verstanden vielleicht ein Fünftel – aber es reichte, um einen kleinen Einblick in das Leben und die Geschichte der Llaneros zu bekommen.

Nach einem köstlichen Mittagessen legten wir uns in die Hängematten, um uns zu erholen und der heißen Mittagssonne zu entkommen. Später kam Heiler mit seiner Gitarre und sang uns ein paar traditionelle Lieder dieser Region vor – ein Moment, den wir beide nie vergessen werden.

Frisch ausgeruht führte uns Yilmer durch den angrenzenden Wald. Er erzählte viel über die lokalen Pflanzen und ihre Nutzung. Plötzlich entdeckte er einen jungen Brillenkauz (Pulsatrix perspicillata perspicillata) im Geäst. Kurz darauf zeigte er uns auch das adulte Tier. Während der Jungvogel seelenruhig sitzen blieb und sich geduldig fotografieren ließ, hielt das erwachsene Tier respektvollen Abstand.

Doch das wahre Highlight unserer Reise durch Kolumbien folgte am Abend: eine Flussfahrt im kleinen Kanu zum Sonnenuntergang. Unzählige Kaimane begleiteten uns durchs Wasser, während vor uns Rosalöffler (Platalea ajaja) und Schwarzmantel-Scherenschnäbel (Rynchops niger cinerascens) nach Nahrung suchten. Die Biodiversität war – unserer Meinung nach – fast so überwältigend wie auf den Galápagos-Inseln. Wir kamen aus dem Staunen, Schauen und Fotografieren nicht mehr heraus. Ohne zu reden, mit einem kühlen Bier in der Hand, saßen wir gemeinsam mit Yilmer im Kanu und genossen den Sonnenuntergang.

Das letzte große Abenteuer unserer dreimonatigen Reise durch Lateinamerika ging zu Ende.

ABSCHIED AUS KOLUMBIEN

Wir reisten zurück nach Bogotá, um die letzten Tage unserer Reise dort ausklingen zu lassen. Etwas außerhalb der Stadt hatten wir ein gemütliches Tiny House gebucht – ein perfekter Ort, um zur Ruhe zu kommen, die vergangenen Wochen Revue passieren zu lassen und all die Eindrücke zu verarbeiten.

Trotzdem sollte auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Wir besuchten einige Museen und kosteten uns durch die letzten Streetfood-Stände, die wir bisher ausgelassen hatten. Besonders das Museo Botero hinterließ einen bleibenden Eindruck – beeindruckend, vielfältig und voller Überraschungen.

Im Tiny House reflektierten wir über die letzten drei Monate. Wir erinnerten uns an all die Erlebnisse, aßen abends gemeinsam am Lagerfeuer und spielten Brettspiele. Ganz bewusst ließen wir dieses große Abenteuer ruhig und gelassen ausklingen – mit Dankbarkeit im Herzen und dem Wissen, dass uns die Erinnerungen für immer begleiten würden.

VERWENDETES EQUIPMENT IN KOLUMBIEN

Nikon Z8
Fujifilm XF10

Nikkor 200-500mm f/5,6
Video: 4K@120fps N-RAW mit N-Log

Mehr Infos zu meinem Equipment findest du HIER.

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