MALEDIVEN
ÜBERSICHT – MALEDIVEN
Die Reise auf die Malediven buchten Lisa, meine Tauchpartnerin, und ich schon ein Jahr im Voraus. Die Vorfreude war riesig, als wir uns dem Januar 2023 näherten. Ende 2022 lernte ich meine Freundin kennen, was den Abschied drei Monate später umso schwerer machte.
Vor uns lagen drei Wochen voller Schnorchel- und Taucherlebnisse. Die ersten fünf Tage verbrachten wir in einem Resort namens Eriyadu Island, die restliche Zeit auf einer Tauchsafari an Bord des Schiffes „Carpe Vita“.
Für mich war diese Reise ein Auf und Ab, aber größtenteils eine sehr positive Erfahrung. Doch lest selbst!
ERIYADU ISLAND RESORT – MALEDIVEN
Schon als wir landeten, mussten wir feststellen, dass es sehr, sehr heiß war. Zu unserem Glück fanden wir unser Speedboot relativ schnell, und schon waren wir auf dem Weg zur Insel. Überschattet wurde das Ganze nur dadurch, dass mein gesamtes Gepäck nicht ankam. Ich hatte also nichts – nur meine Kamera, meine Taucherbrille und die Kleidung, die ich trug.
Egal, wir waren ja im Paradies, da würde es wohl irgendetwas zu kaufen geben. Nachdem wir über den Indischen Ozean rasten und endlich im Resort ankamen, checkten wir ein. Dann der nächste Tiefschlag: Es gab weder Kleidung noch Hygieneartikel zu kaufen. Zum Glück hatte ich eine abzippbare Hose an – das bedeutete, ich hatte quasi schon mal zwei Hosen.
Mit geliehener Kleidung von Lisa konnte ich zumindest ins Restaurant gehen, und mit kurzer Hose, Taucherbrille und Kamera konnte ich schnorcheln. Doch in der ersten Nacht entzündeten sich auch noch meine Mandeln. Zum Glück half Lisa erneut aus – diesmal mit Antibiotika.
Am nächsten Tag sah alles schon etwas rosiger aus: Mein Gepäck war auf dem Weg, und meinem Hals ging es viel besser. So konnte es weitergehen! Ich nutzte die Zeit und ließ meine Drohne ein paar Runden fliegen. Da die Insel winzig war – man konnte sie in fünf Minuten umrunden – entstanden einige großartige Bilder und Videos.
MEIN GEPÄCK & DAS HAUSRIFF
Am dritten Tag war es endlich da: mein Gepäck. Die prall gefüllte gelbe Tasche wartete bereits an der Rezeption auf mich. Sofort alles ausgepackt, Zähne geputzt, Schwimmsachen herausgekramt – und los ging es.
Wir hatten bereits einige Routinen entwickelt: Morgens und abends schnorchelten wir um die Insel, dann wurde gerastet, bis wir mittags an die Riffkante schnorchelten und dort im offenen Blau nach Tieren suchten. Es war verrückt, was man nur am Hausriff sehen konnte. Dutzende Haie aus drei verschiedenen Arten, Rochen, Schildkröten, Oktopoden und unzählige bunte Fische begleiteten uns jedes Mal. Dazu kamen riesige jagende Makrelen beim Nachtschnorcheln. Wir fragten uns nur, wie die Safari das noch toppen könnte.
Jeden Abend telefonierte ich mit meiner Freundin. Eines Nachts, um 4:00 Uhr morgens, stand ich noch am Steg und beobachtete das Meer, als plötzlich zwei Ornate Adlerrochen (Aetomylaeus vespertilio) an mir vorbeischwammen. Der Leiter der Tauchschule konnte dies am nächsten Tag bestätigen, da er sie an einem anderen Tag ebenfalls gesichtet hatte.
CARPE VITA – EINMAL UM DIE MALEDIVEN
Dann war unser Aufenthalt auf der Insel auch schon wieder vorbei, und es ging zurück zum Flughafen. Dort trafen wir die anderen, mit denen wir die Tauchsafari gebucht hatten.
Seit zwei Jahren fahren wir immer wieder mal mit den „Scuba Freaks“ aus dem Rheinland auf Safari. Die Malediven waren unsere erste große Reise mit den „Freaks“, nach mehreren Liveaboards im Roten Meer. Nach einer freudigen Begrüßung ging es dann endlich aufs Boot und nach den ersten Briefings direkt ins Wasser.
Unser Schiff hatte ein eigenes Tauchboot, das immer mit uns mitfuhr und auf dem sich unser Equipment befand. Zum Tauchen wechselten wir einfach auf das Tauchboot, zogen uns dort an und sprangen ins Wasser. Meistens fuhren wir mit dem Tauchboot noch ein Stück weiter, da es kleiner war und nicht so viel Tiefgang hatte.
Nach einem ereignislosen Check-Dive stießen wir beim Abendessen auf eine tolle Zeit an.
SHARK TANK
Der erste Tauchgang führte uns zu einem Spot direkt vor dem Hafen. Uns wurde nicht genau erklärt, warum wir hier tauchten – nur, dass es viele Rochen und einige Haie geben soll. Die Kamera, Lisa und ich waren auf jeden Fall bereit.
Schon beim Hineinspringen spürten wir eine seltsame Stimmung. Wir trieben in einer grünlichen Suppe, die anscheinend vom Hafen und der dortigen Müllanlage kam. Über uns dröhnten die Schiffsmotoren, und die Sicht war gleich null. Doch als wir nach einigen Metern die Abwasserschicht hinter uns ließen, klarte es plötzlich auf – und wir sahen ein paar Rochen durchs Wasser gleiten.
Dann ging alles ziemlich schnell: Erst waren Dutzende große Pink-Whipray-Rochen (Pateobatis fai) um uns herum, plötzlich tauchte ein Großer Geigenrochen (Rhynchobatus djiddensis) aus der Tiefe auf. Dann zog eine Schule Großer Schwarzspitzenhaie (Carcharhinus brevipinna) unter uns vorbei – und als ich kurz nach links blickte, kam mir ein junger, 2,5 Meter langer Tigerhai (Galeocerdo cuvier) entgegen.
All das geschah innerhalb von zehn Minuten. Ich versuchte, die Lage zu überblicken, Lisa und die Haie nicht aus den Augen zu verlieren und nebenbei noch gute Fotos zu machen.
Dieser Tauchgang war der eindrucksvollste der gesamten Malediven-Reise. Der Shark Tank machte seinem Ruf alle Ehre. Beim Auftauchen sah ich, dass ein Fischer mitten zwischen den Safaribooten trieb und Fischabfälle ins Wasser warf. Das erklärte das Gedränge unter Wasser ziemlich schnell.
Hier hätte ich mir mehr Aufklärung und ein besseres Sicherheitsbriefing durch die Crew und Guides gewünscht.
TAUCHEN, TAUCHEN, TAUCHEN
Die kommenden Tauchgänge waren alle großartig, und es gab immer wieder neue Erlebnisse. Ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, mein Makro-Objektiv beim Tauchen auszuprobieren, doch ich merkte relativ schnell, dass das nichts für mich war. Zwar machte es Spaß, kleine Details aus nächster Nähe zu fotografieren, aber ich fühlte mich durch die eingeschränkte Perspektive etwas eingeengt.
Trotzdem genoss ich es, durch das angenehm warme, 28 Grad warme Wasser zu gleiten und dabei die beeindruckende Artenvielfalt der Malediven zu bewundern. Ein Highlight folgte dem nächsten, und so füllten sich die Speicherkarten rasant. Da wir täglich drei bis vier Tauchgänge machten, blieb kaum Zeit, um die Bilder direkt durchzusehen. Währenddessen gab es zwischen den Tauchgängen reichlich Mahlzeiten, und wir konnten uns etwas ausruhen, während das Schiff bereits zum nächsten Spot fuhr.
Vor allem die Drift- und Strömungstauchgänge waren spektakulär. Hierbei hakten wir uns mit unseren Riffhaken an Felsen entlang der Bruchkante fest und ließen uns von der Strömung treiben. Währenddessen zogen unzählige Haie, majestätische Adlerrochen und riesige Fischschwärme an uns vorbei. Es war ein unglaubliches Gefühl, einfach nur die Kamera hinzuhalten und trotzdem atemberaubende Aufnahmen zu bekommen.
Allerdings wurde mir bei einem besonders starken Strömungstauchgang die enorme Kraft des Wassers eindrucksvoll bewusst. Plötzlich wurde ich von einem Downwash mitgerissen – einer Strömung, die das Wasser an der Riffkante abrupt in die Tiefe zieht. Innerhalb von Sekunden wurde ich nach unten gedrückt, und meine Atemblasen wirbelten chaotisch um mich herum, sodass ich nichts mehr erkennen konnte. Mein BCD war völlig machtlos gegen die Strömung, und für einen kurzen Moment wusste ich nicht, wie ich mich befreien sollte. Doch glücklicherweise erinnerte ich mich an den wichtigsten Tipp für solche Situationen: weg vom Riff schwimmen. Also setzte ich das sofort um – und nach ein paar wilden Sekunden war ich wieder frei. Selten zuvor hatte ich die pure Kraft des Ozeans so intensiv gespürt wie bei diesem Tauchgang.
NACHTTAUCHGANG MIT AMMENHAIEN
An einem Tag wurde uns gesagt, dass noch ein weiteres Highlight auf uns wartete: ein Dämmerungstauchgang mit Indopazifischen Ammenhaien (Nebrius ferrugineus). Ich lud meine Tauchlampen sowie die Kamera noch einmal vollständig auf und war schon bereit. Wir fuhren zu einer kleinen Resort-Insel, doch schon bald erfuhren wir, dass wir erneut im Abwasser tauchen würden. Die Essensreste lockten kleinere Fische und somit auch die Ammenhaie an. Außerdem handelte es sich dabei um einen Drifttauchgang entlang des Alimatha Jetty.
Wir sprangen also ins Wasser, und die Strömung trieb uns langsam um die Insel herum. Plötzlich tauchten die Ammenhaie direkt vor uns auf und umkreisten uns. Eines der Tiere schwamm sogar direkt auf meine Kamera zu. Sie näherten sich, umkreisten uns und verschwanden wieder in der Dunkelheit. Dieses faszinierende Schauspiel dauerte einige Zeit, bis wir schließlich wieder auftauchen mussten. Als ich nach oben blickte, bemerkte ich, dass über uns erneut eine grünliche Wolke schwebte, in der Lisa gemeinsam mit den Ammenhaien ihre Kreise zog – ein wirklich surreales Bild. Wir verabschiedeten uns langsam und schwammen zurück zum Schiff, das am Ende der Drift bereits auf uns wartete.
Nachttauchgänge mit Haien waren immer etwas ganz Besonderes und Aufregendes. Auch dieser Tauchgang war spektakulär, obwohl die Tiere indirekt durch den Menschen gefüttert wurden.
NACHTSCHNORCHELN MIT WALHAIEN
Wenn man eine südliche Tauchsafari auf den Malediven machte, legte man meist einen Stopp am Thaa-Atoll ein. Die Crew stellte große Scheinwerfer am Heck des Schiffes auf und richtete sie ins Wasser. Nach kurzer Zeit bildeten sich dichte Schwärme aus Plankton und Krill, die durch das Licht angelockt wurden.
Während des Briefings erfuhren wir, dass wir schnorcheln gehen durften, falls tatsächlich ein Walhai (Rhincodon typus) auftauchen sollte. Die Spannung war groß, denn die Chance, einen dieser sanften Riesen in freier Wildbahn zu sehen, war nicht alltäglich.
Kurz nach dem Abendessen ertönte plötzlich der Alarm. Hastig packten wir unsere Kameras, sprangen auf das Tauchboot und holten unser Equipment. Ohne zu zögern, ließen wir uns ins Wasser gleiten. Das Meer lag stockdunkel vor uns, nur der schwache Lichtschein der Scheinwerfer erhellte einige Meter hinter dem Boot. Inmitten dieser Szenerie tummelte sich, neben dem Plankton, ein beeindruckender Walhai von rund sieben Metern Länge. Immer wieder tauchte er in die Tiefe ab, nur um kurz darauf wieder an die Oberfläche zu kommen, um zu fressen. Wir hielten uns ruhig und beobachteten das majestätische Tier, das gelassen durch das Wasser glitt.
Nach einer Stunde erreichte das Erlebnis seinen Höhepunkt: Ein zweiter, etwas kleinerer Walhai gesellte sich dazu. Die beiden schwammen eine Weile nebeneinander, ehe sie schließlich in der Dunkelheit verschwanden. Fasziniert und voller Adrenalin kehrten wir zurück auf das Schiff – eine Begegnung, die wir so schnell nicht vergessen würden.
ABSCHIED VON DEN MALEDIVEN
Nach dem Schnorcheln mit den Walhaien wurde ich leider krank und konnte die restlichen zwölf Tauchgänge nicht mehr machen. Ich telefonierte täglich stundenlang mit meiner Freundin – wir hatten uns zu Beginn eine SIM-Karte mit 100 GB Datenvolumen gekauft – und schaute unzählige Filme. Zusammenfassend könnte man sagen, dass mir ziemlich fad war.
Am vorletzten Tag schmiedete ich den Plan, vielleicht schon einen Tag früher abzureisen, da wir noch eine Nacht in Malé übrig hatten. Das Airbnb konnten wir relativ unkompliziert stornieren, und den Flug verschoben wir sogar zu einem vergleichsweise günstigen Aufpreis von 140 Euro. Netterweise brachte uns die Crew bereits vorzeitig zum Flughafen, während die anderen den Tag noch entspannt auf dem Schiff ausklingen ließen.
Zum Glück konnte ich Lisa von meinem Plan überzeugen, und so flogen wir 24 Stunden früher als geplant zurück nach Wien. Im Gepäck hatten wir Hunderte Gigabyte an Daten und wundervolle Erinnerungen an beeindruckende Tierbegegnungen. Einziger Wermutstropfen waren meine zwei Erkrankungen und die Tatsache, dass ich dadurch zwölf Tauchgänge verpasste.
VERWENDETES EQUIPMENT AUF DEN MALEDIVEN
Nikon Z6II
DJI Mavic Air
Nikkor 8-15mm f/3,5-4,5 Fisheye
Nikkor Z 105mm f2,8 Macro
Isotta Z6II Housing
Video: 4K@60fps h264 mit N-Log
Mehr Infos zu meinem Equipment findest du HIER.
ÜBER MICH
DANIEL M KAINZ (* November 5, 1994)
Ich bin freischaffender Kameraassistent, Unterwasserkamera-Operator und Naturfotograf aus Wien. Nach meinem Wirtschaftsinformatik-Studium zog es mich in die Filmbranche, wo ich schnell meinen Platz im Kameradepartmentfand. Reisen sind meine große Leidenschaft – mittlerweile habe ich über 30 Länder erkundet. 2019 entdeckte ich das Tauchen für mich und sammelte über 170 Tauchgänge. Seit 2023 arbeite ich als Unterwasserkamera-Operator, bilde Anfänger*innen aus und erweitere stetig mein Equipment. Auf meiner Website dokumentiere ich meine Reisen, Filmprojekte und meine Faszination für die Unterwasserwelt.
Herzlich Willkommen auf meiner Seite, ich hoffe euch gefällt das ein oder andere Foto!