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Blauhaie der azoren

DIE SUCHE NACH DEN BLAUHAIEN DER AZOREN BEGANN

Wir suchten wieder das Abenteuer. Die Azoren sollten es diesmal werden. Wieder eine Vulkaninsel mitten im Ozean. Nach Teneriffa und El Hierro die dritte Reise mit Lisa und Christopher. Schnell wussten wir, dass wir nach Pico wollten, denn wir wollten tauchen – und das so viel wie nur möglich. Pico Island Adventures schien uns der perfekte Partner für diesen Trip zu sein. Wir buchten also knappe zwei Wochen für August/September desselben Jahres. Sechs Monate trennten uns noch von der Inselgruppe mitten im Atlantik.

 

Die Zeit brauchten wir auch. Christopher musste noch seinen AOWD nachholen, Lisa und ich mussten unser neues Kameraequipment testen, verbessern und nochmals testen. Meine Nikon Z8 und mein Nauticam-Gehäuse kannten sich ja schon aus Südamerika, aber es gab einige Upgrades: zwei Keldan 4XR Lampen mit kabelloser Fernbedienung, ein 6″-Unterwassermonitor von Fotocore und mein DIY-Trim-Schlitten. All das musste vor der Reise noch auf Herz und Nieren getestet werden – im Pool meiner Eltern. Nach etlichen Amazon-Bestellungen, Sprüngen in den Pool und einem fast neuen Peli-Case später waren wir bereit. Der August kam schnell und meine 60 kg Gepäck freuten sich schon auf ein neues Abenteuer für uns Reisende. 

Hurrikan, hohe wellen und ein kaputtes boot

Als wir ankamen, merkten wir schnell, dass das Wetter vor Kurzem noch sehr ungemütlich gewesen war. Am Flughafen lernten wir noch einen weiteren Taucher derselben Tauchschule kennen. Im Auto kam langsam die Ernüchterung. Wir erfuhren, dass ein Hurrikan kurz vor unserer Ankunft die Insel heimgesucht und das Tauchen in den letzten zwei Wochen unmöglich gemacht hatte. Obwohl wir von strahlendem Sonnenschein empfangen wurden, war das Meer immer noch sehr aufgepeitscht. In der Tauchschule erledigten wir erst einmal das Notwendige: Equipment-Check, Einchecken und Autoübergabe.

 

Im anschließenden Briefing für die kommenden zwei Wochen bekamen wir eine schlechte Nachricht nach der anderen. Zuerst erfuhren wir, dass ihr Safarischiff kaputt war und wir keine zweitägige Safari nach Princess Alice, einem Unterwasserplateau 100 km vor der Küste, machen konnten. Darauf hatten wir uns schon alle ziemlich gefreut – egal, es gab ja noch andere tolle Sachen. Auch die anderen gebuchten Tauchgänge wackelten aufgrund des Wetters. Wir bekamen vorerst einen Termin für den Check-Dive am nächsten Tag; dieser sollte vom Land aus stattfinden, war also kein Problem. Alles, was danach kam, war unsicher. Leicht genervt und hungrig verließen wir die Tauchschule, packten unser Auto und wurden noch zur Unterkunft begleitet. Wir packten aus, bezogen das Quartier und gingen einkaufen. Die Lage war großartig, denn wir waren mitten in den Ausläufern des Vulkans. Hinter uns erhob er sich und blickte auf unser Haus herab. Langsam kehrte eine versöhnliche Stimmung ein und wir genossen den Abend am Meer bei einem Burger-Foodtruck.

die ersten Tauchgänge und besseres wetter

Der Tag begann und mit ihm eine neue Routine: Frühstücken, hektisch das Kameraequipment zusammensuchen, Zähneputzen und schnell losfahren. Unser kleiner Citroën C1 hatte gerade so Platz für uns drei plus unsere Kameras und Dry-Bags, dann war das Limit erreicht. Die Straßen kannten wir schnell auswendig und konnten das Navi bald schon ausgeschaltet lassen.

 

Die beiden Check-Dives waren ein guter Start. Es gab kaum etwas zu sehen, aber die Kamera erforderte sowieso meine gesamte Aufmerksamkeit. Salzwasser verhält sich dann doch immer etwas anders, als man es sich im Süßwasser ausgerechnet hatte.

 

In den zwei kommenden Tagen gab es erstmals Tauchgänge vom Boot. Wir fuhren zur Nachbarinsel Faial und betauchten zwei tolle Höhlen mit vielen jungen Adlerrochen. Ein erstes Highlight dieser Reise. Die Kamera und ich wurden langsam zu einem guten Team und die Videos konnten sich allmählich sehen lassen.

Nach dem Tauchen fuhren wir einkaufen, sichteten das Material und schliefen für eine Stunde. Es war hier anstrengender als sonst; alles war so wild und daran musste sich unser Körper erst gewöhnen.

die Blauhaie der azoren hatten ihren ersten auftritt

Am vierten Tag war es endlich so weit: Der erste Haitauchgang stand auf dem Programm. Das Wetter wurde nun konstant besser und mit ihm die Aussicht auf tolle Tauchgänge in den kommenden Tagen. An der Basis angekommen, bekamen wir zuerst unser Haibriefing. Es war obligatorisch, da wir direkt mit den Haien ins Wasser gingen und niemand einen Finger verlieren wollte. Wir fuhren einen alten Spot an, da die Wellen für den neueren noch zu hoch waren. Aber unsere Chancen standen sehr gut, denn wir hatten eine tolle und erfahrene Crew mit an Bord. Was sollte schon schiefgehen?

 

Die Überfahrt war sehr wellig und uns wurde sehr schnell sehr übel. Am Spot angekommen, mussten wir warten, bis sich Haie dem Boot näherten. Das konnte von einigen Minuten bis zu einigen Stunden dauern. Wir hatten Glück! Unser Chum (Blut und Fischreste) lockte den ersten Hai schon innerhalb von fünf Minuten an. Wir mussten noch warten, bis sich der Hai stabilisiert hatte (also nicht gleich wieder abhaute), und begannen uns fertigzumachen. Nacheinander glitten wir fast lautlos ins Wasser, schwammen zu unseren Leinen und tauchten ab. Eine Person nach der anderen.

 

Es war alles sehr aufregend und man musste sich zuerst einmal mit der Leine verbinden und sich orientieren. Nach ein paar Sekunden kam ich endlich dazu, mich umzusehen. Weit und breit war kein Hai zu sehen. Hatten wir ihn doch verscheucht? Plötzlich sah ich einen Schatten vor mir. Er wurde größer und haiförmig. Anmutig schwamm der Hai auf mich zu und drehte in sicherer Distanz ab. Nach und nach drang der Geruch in die Tiefen und immer mehr Haie kamen. Schlussendlich waren es drei oder vier, die uns in sicherer Distanz beobachteten. Unser Guide nahm das zum Anlass, einen Thunfischkopf aus der Futterbox, die auf fünf Meter Tiefe hing, zu holen und zwischen uns zu zerschneiden. Die Haie wurden neugieriger und kamen immer näher – sehr viel näher. Es wirkte so, als hätten sie jeglichen Respekt vor uns verloren. Die Haie bissen in die Bleigewichte am Ende der Leinen, rempelten uns und schwammen direkt in die Kamera. Zweimal musste unser Guide den Hai umlenken, sonst gab es aber keine Zwischenfälle und wir genossen die fantastische Begegnung.

 

Nach dem ersten Tauchgang musste unser Chum-Master die Haie bei Laune halten. Auch Christopher half ihm dabei, nachdem das wellige Meer nun endgültig zu viel für seinen Magen war. Glücklicherweise ging es relativ schnell wieder zurück ins Wasser. Wieder kreisten einige Haie um uns herum, wieder kamen sie sehr nahe und beäugten uns. Es war genau das Erlebnis, warum wir auf die Azoren gereist waren. Wir konnten Blauhaie (Carcharhinus glaucus) in ihrem natürlichen Lebensraum hautnah erleben.

glattes Meer und viele Haie

Die kommenden zwei Tage waren wieder etwas ruhiger. Ein Nachttauchgang (da wurde uns im Vorhinein auch etwas anderes versprochen) und zwei kleinere Unterwasserfelsen standen auf dem Programm. Das Wetter war immer noch nicht optimal, aber es gab Anzeichen für eine drastische Besserung in den kommenden Tagen. Das war auch gut so, denn da gab es noch einmal zwei Highlights: das zweite Mal Haitauchen und den Tagestrip nach Princess Alice.

 

Das zweite Haitauchen stand schon unter keinem guten Stern, als wir an der Tauchschule ankamen. Einer der beiden Kapitäne fuhr mit seinem Zodiac auf dem Weg zur Tankstelle über ein Seil. Das Boot musste aus dem Wasser gehoben und im Trockenen repariert werden. Niemand von uns wusste, ob wir mit einem vollgestopften Zodiac – wir waren 9 Tauchende– rausfahren mussten oder uns entspannt auf zwei Boote aufteilen konnten. Nach dem Briefing und 1,5 Stunden Verspätung gab es endlich die erlösende Nachricht: Das Zodiac war repariert und wir konnten loslegen. Dieses Mal war das Meer spiegelglatt und wir fuhren zum Standard-Spot: Condor Banks. Dieser Ort war, ähnlich wie Princess Alice, ein Unterwasserplateau. Nur dass hier der höchste Punkt auf 400 m Tiefe lag und nicht bei 29 m wie bei Princess Alice. Rundherum fiel der Atlantik auf 1.200 Meter ab. Viel Wasser, um Haie zu finden. Zum Glück hatten wir den besten Chum-Master der Insel an Bord, es konnte also nichts schiefgehen. Die Fahrt zu den Condor Banks war toll, Gischt spritzte uns ins Gesicht (wir hatten unseren Neoprenanzug bei jeder Zodiacfahrt schon komplett an) und das Meer war fast spiegelglatt. Die Fahrt dauerte rund 1,5 Stunden und verging wie im Flug. Das Wetter war herrlich und die Vorfreude riesig.

 

Am Spot angekommen, merkten wir einen starken Drift, der uns immer weiter auf den offenen Ozean trieb; das machte es für die Haie schwieriger, uns zu finden. Das andere Zodiac war schon bald aus unserer Sichtweite getrieben. Nach einer gefühlten Ewigkeit und zwei ganzen Fischen kamen endlich die ersten Haie – und sie waren gekommen, um zu bleiben. In der Ferne sahen wir ein Fischerboot. Unser Kapitän erzählte uns, dass das Tourist*innen waren, die „unabsichtlich“ Haie fangen wollten. Deswegen umkreisten sie die Tauchboote, weil sie wussten, dass früher oder später Haie bei uns in der Nähe sein würden. Nach einigen erfolglosen Vorbeifahrten gaben sie zum Glück auf und fuhren weiter.

 

Wir hingegen machten uns wie gewohnt fertig und glitten lautlos, einer nach dem anderen, ins Wasser. Dieses Mal war ich alleine an einer Leine, ich konnte mich in der Vertikalen also frei bewegen. Die Haie waren diesmal von Beginn an sehr aktiv und neugierig. Sie kamen uns wieder sehr, sehr nahe und wir konnten einige filmreife Aufnahmen machen. Die insgesamt zwei Stunden vergingen wie im Flug und ich war traurig und glücklich zugleich, als mich der Guide als Letzten nach oben holte und ich aufs Zodiac musste. Zu keinem Zeitpunkt fühlten wir uns unsicher oder in Gefahr; wir fühlten uns so, als ob wir die Haie lesen könnten. Sie zeigten uns ihre Welt und wir durften sie dabei beobachten. Noch heute denke ich sehr gerne an diese vier Tauchgänge zurück. 1,2 TB Daten entstanden alleine durch die Haie. Insgesamt 144 Clips warteten darauf, gesichtet und bearbeitet zu werden. In diesem Bericht findet ihr einige davon. Ich hoffe, ihr könnt verstehen, warum es mich so fasziniert, mit Haien zu tauchen.

Blauhaie der azoren video

VERWENDETES EQUIPMENT

Nikon Z8

Nikkor 8-15mm f/3,5-4,5 Fisheye

Nauticam Z8 Housing

Keldan 4XR mit 6m Ambient Filter

Fotocore MR6 Monitor

Video: 8K@60fps N-Raw with N-Log

 

Mehr Infos zu meinem Equipment findest du HIER.

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