Costa Rica war das zweite Land unserer Reise durch Lateinamerika. Nach einem Monat zu zweit durch Mexiko bekamen wir Besuch: Paulas Mama und meine Eltern kamen dazu. Plötzlich waren wir also zu fünft, und die Dynamik des Reisens veränderte sich etwas. Auch unser Fortbewegungsmittel war Teil dieser Veränderung: Wir mieteten uns ein Auto! Im Vorfeld hatten wir etwas Sorge, ob wir zu fünft samt Gepäck in den Wagen passen würden, aber der Geely Okavango war ein Siebensitzer mit gefühlt unendlich viel Platz. Nachdem wir alle in San José gelandet waren und uns in der Unterkunft getroffen hatten, ging es am nächsten Morgen auch schon munter los!
Der Mann am Sixt-Schalter lächelte uns nur zu, als wir ihm von unserem Plan erzählten, an die Ostküste zu fahren. Er meinte, dass das ewig dauern würde und die Strecke furchtbar und nass sei. Davon ließen wir uns aber nicht abschrecken, und ich startete den Geely zum ersten Mal. Schnell wurde klar, dass Waze hier besser als andere Navigations-Apps funktionierte, und so fuhren wir Richtung Manzanillo. Die Horrorgeschichten erwiesen sich alle als falsch, und wir kamen nach knappen vier Stunden an unserem ersten Stopp an: Manzanillo. Genauer gesagt: in einer wahnsinnig tollen Unterkunft mitten im Dschungel. Es war ein offenes Haus mit offener Küche und einem offenen oberen Stockwerk. Der Garten war übersät mit blühenden Pflanzen und herumschwirrenden Kolibris. Zudem gab es noch eine Grillstelle und einen großen Aussichtsturm. Rundherum erstreckte sich dichter Dschungel.
Während der Fahrt hatten wir schon ein Faultier gesehen und waren sehr gespannt, was wir hier noch alles entdecken würden. Die erste Nacht war laut und aufregend. Jedes Geräusch riss mich wieder aus dem Schlaf, während das Prasseln des Regens mich wieder einschlafen ließ. Kurz vor Sonnenaufgang kam eine Gruppe Mantelbrüllaffen (Alouatta palliata) vorbei und erklärte uns, dass es nun Zeit war aufzustehen. Wir konnten die Affen vom offenen oberen Stockwerk aus super beobachten.
Die nächsten Tage verbrachten wir damit, die Gegend zu erkunden. Wir wollten das „Ara Project Manzanillo“ besuchen, aber es war für einige Tage ausverkauft, also entschieden wir uns für das „Jaguar Rescue Center“. Der Name ist irreführend, da dort noch nie ein Jaguar (Panthera onca) versorgt wurde. Die Geschichte hinter dem Namen ist folgende: Eines der ersten Tiere war ein junger Ozelot (Leopardus pardalis), von dem die Einheimische*n dachten, dass es ein junger Jaguar wäre. Das Highlight der Führung waren zwei Baby-Faultiere, die erst eine Woche alt waren. Die Mutter, so wurde uns erzählt, starb durch eine unisolierte Stromleitung, da ein großer Teil der Überlandstromkabel immer noch nicht isoliert ist und Faultiere diese gerne als Brücke über Straßen verwenden. Das Projekt „Shock Free Zones“ arbeitet mit Hochdruck daran, alle Stromleitungen zu isolieren und damit sicher für Faultiere zu machen.
Die ersten Tage in Manzanillo waren ein toller Einstieg in diese Etappe unserer Reise, und so packten wir unseren Geely und fuhren Richtung Cahuita-Nationalpark.
Unsere neue Unterkunft war das komplette Gegenteil von unserem Dschungelhaus: eng, dunkel und sehr, sehr heiß. Da es keine Klimaanlage gab, flüchteten wir so schnell wie möglich an den Pool. Dort erwartete uns das erste tierische Highlight: ein Kolibrinest direkt neben dem Pool. Wir konnten der Braunschwanzamazilie (Amazilia tzacatl) vom Wasser aus beim Brüten zusehen.
Am nächsten Tag standen wir sehr früh auf, um der Hitze im Nationalpark etwas zu entkommen. Am Eingang mussten wir uns erst durch eine Wand aus Guide*s kämpfen, die uns alle ihre Dienste anbieten wollten. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass man hier definitiv keine Führung brauchte. Das erste Teilstück war so voller Menschen, dass man immer sofort bemerkte, wenn eine Guide* ein Tier entdeckte. Nach einigen Kilometern wurden die Menschenmassen deutlich dünner, und man konnte den Nationalpark in Ruhe genießen und entdecken. Dazwischen gab es immer wieder Abschnitte, die am Strand entlangführten, sodass wir auch schwimmen gingen. Wir sahen unzählige Panama-Kapuzineraffen (Cebus imitator), Waschbären (Procyon lotor hernandezii) und einen Weißrüssel-Nasenbären (Nasua narica).
Am Nachmittag erkundete ich den Wald hinter unserer Unterkunft und fand einen kleinen Goldbaumsteiger (Dendrobates auratus) – den ersten Pfeilgiftfrosch dieser Reise. Dann ging es noch einmal in den Pool und anschließend ans Packen, da wir am nächsten Tag früh in Richtung Tortuguero-Nationalpark aufbrachen.
Der Tortuguero-Nationalpark ist nur mit dem Boot zu erreichen. Wir parkten also unseren Geely auf dem Parkplatz des kleinen Hafens, packten alles ein, was wir für die nächsten zwei Tage brauchen würden, und setzten uns in die Wartezone. Ich begann bereits zu recherchieren, welche Touren man hier auf jeden Fall machen muss, und fand auch schnell eine gute Anbieterin. Glücklicherweise gab es noch fünf Plätze für uns, und ich buchte die Ganztagestour.
Die Bootsfahrt war wunderschön. Wir fuhren durch dichten Dschungel; die Ufer waren gesäumt von Krokodilen (Crocodylidae) sowie Kaimanen (Caimaninae), und in den Bäumen saßen Tukane (Ramphastidae), die uns genau beobachteten. Wir genossen die Fahrt sehr und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wenn das erst die Anreise war, wie würde es dann erst im Park selbst sein? Nach eineinhalb Stunden erreichten wir die kleine Stadt mitten im Nationalpark und checkten zuerst im Hotel ein. Dieses lag direkt am Strand und bot einen tollen Blick auf das sehr aufgewühlte und wilde Karibische Meer.
Der Tortuguero-Nationalpark (Tortuguero bedeutet übrigens „Schildkrötenfänger“) hat, gemessen an der Fläche, eine der weltweit größten Populationen von Jaguaren (Panthera onca). Die Chancen standen also sehr gut, einen zu sehen. Mit dieser Vorfreude erkundeten wir noch die kleine Promenade beim Hafen, gingen essen und dann früh ins Bett.
Am nächsten Morgen standen wir um 04:30 Uhr vor einem kleinen Haus, wo unser Guide Chamba gerade das Boot ins Wasser ließ. Es war ein geräumiges Kanu mit Elektromotor; dadurch konnten wir im Nationalpark an Orte fahren, die normale Boote mit Verbrennungsmotor nicht ansteuern durften. Die Tour begann als Vogelbeobachtungstour und wandelte sich dann zur Suche nach Jaguaren in den unzähligen Kanälen des Parks. Nach einigen Stunden kehrten wir ohne Jaguar, aber mit vielen tollen anderen Eindrücken zurück zum Hafen. Wir hatten etwas Zeit für ein kurzes Frühstück und trafen uns dann zu einer Wanderung durch den Park. Auf einem Abschnitt mitten im Wald bemerkten wir einen starken, urinähnlichen Geruch und dann auch frische Jaguarspuren. Chamba erzählte uns, dass die Jaguare nachts auch in die Stadt kämen, um dort Straßenhunde zu jagen. Wir waren also mitten in der Wildnis. Leider fanden wir auch hier keinen Jaguar, sahen aber einige Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio), Blattschneiderameisen (Atta) und andere kleine Insekten und Amphibien.
Da es für mich niemals zu viele Safaris und Wanderungen geben kann, fragte ich Chamba nach einer Nachtsafari. Er meinte, er hätte Zugang zu einem Privatgrundstück tief im Wald und könne uns dort heute Nacht durchführen. Paula, meine Mama und ich wagten es und trafen uns um 18:30 Uhr mit Chamba am Hafen. Wir fuhren mit dem Boot auf die andere Seite und wieder tief in den Wald hinein. Bei einem kleinen Steg ließ man uns raus. Wir wurden nochmals eindringlich gewarnt, dass es hier sehr giftige Schlangen wie die Lanzenotter (Fer-de-Lance, Bothrops asper) und Spinnen gäbe, wir aufpassen und auf ihn warten müssten. Unbedarft gingen wir schon einmal vor, während Chamba den Bootsführer bezahlte. Dafür bekamen wir die erste Rüge. Schnell stellte sich auch heraus, warum: Nur einige Meter weiter hatte gerade ein Weibchen der Fischerspinne (Cupiennius getazi) eine kleine Echse gefangen und getötet. Die Spinne war so groß wie meine Handfläche und wunderschön gefärbt. Wir lernten unsere Lektion und hielten uns nun brav an Chamba.
Im Verlauf der Wanderung fanden wir einige Highlights, darunter eine Kescherspinne (Deinopidae) mit vorbereitetem Netz, einen schlafenden Rotaugenlaubfrosch (Agalychnis callidryas), eine Geißelspinne (Paraphrynus laevigatus) und noch weitere diverse Spinnen- und Froscharten.
Alles in allem war das ein sehr anstrengender, aber unglaublich toller und artenreicher Tag für uns. Da Paula am nächsten Tag Geburtstag hatte, gingen wir früh schlafen und begannen schon einmal, für unsere Abreise zu packen.
Paula spendierte uns nach dem Frühstück Frucht-Shakes, mit denen wir das Boot zurück zu unserem Auto bestiegen. Die Flussfahrt war wieder ebenso beeindruckend wie die Hinfahrt, und die Stimmung war bestens. Es gab erneut einige Tiere zu beobachten, und die Fahrt verging viel zu schnell.
Nachdem unser Gepäck wieder im Geely verstaut war, fuhren wir los Richtung Turrialba, einer kleinen Stadt im Hochland von Costa Rica. Dort fanden wir ein tolles Airbnb: eine Villa auf einem Hügel mit herrlicher Aussicht und einer sehr großzügigen Einrichtung. Auf dem Grundstück gab es zudem Stallungen mit Pferden sowie einen Kräuter- und Gemüsegarten. Der Mann, der für die Pflege des Grundstücks verantwortlich war – es gehörte einem US-amerikanischen Paar –, erklärte uns alles. Zwar auf Spanisch, aber das meiste verstanden Paula und ich bereits. Wir verbrachten den Abend mit einem Geburtstagsessen und Kartenspielen.
Am nächsten Tag fuhren wir zu einer Kaffeeplantage für eine Führung inklusive Verkostung. Der Besitzer war sehr nett und sprach glücklicherweise auch Englisch. Er erklärte uns alles über die verschiedenen Kaffeesorten, den Anbau, die Ernte und schließlich den Prozess der Herstellung. Begleitet wurden wir von unzähligen Hunden, die dort auf der Plantage lebten, tierärztlich behandelt wurden und ein würdiges und sicheres Leben führen konnten.
Am Abend gab es das letzte Abendessen mit meinen Eltern, da diese am nächsten Tag bereits zurückflogen. Wir ließen die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren und genossen den letzten gemeinsamen Abend zu fünft.
Die Fahrt nach San José war etwas traurig für mich. Am Flughafen verabschiedeten wir uns, und von nun an fuhren wir für einige Tage zu dritt weiter. Nach einer kurzen Stärkung bei Burger King starteten wir in die längste Etappe dieser Rundreise durch Costa Rica. Unser Ziel war die nördliche Pazifikküste. Wir wussten, dass es heiß werden würde, aber wir ahnten nicht, dass es so heiß werden würde. Bei 38 °C stiegen wir aus dem glühenden Geely und mussten mit Schrecken feststellen, dass unsere eco-friendly Unterkunft weder eine Klimaanlage noch Fenster besaß. Uns standen also sehr heiße Nächte bevor. Pünktlich zum Sonnenuntergang fuhren wir zum Playa Negra und genossen die Stimmung am Meer. Die Temperatur fiel in einen angenehmen Bereich, und wir tranken auf die Erlebnisse der letzten Tage.
Der hauseigene Pool wurde schnell zu unserem Wohlfühlort. Da wir die einzigen Gäste in der Unterkunft waren, gehörte er uns ganz allein. Selbst die kleinen Frösche im Wasser konnten uns nicht stören. Wir schmiedeten Pläne für die nächsten Tage. Es gab noch einen Nationalpark, den man sich ansehen konnte: den Palo Verde NP. Dort gab es wieder die Möglichkeit für eine Flussfahrt. Gesagt, getan – also bestiegen wir den Geely und fuhren mit hart arbeitender Klimaanlage zum Park. Dort nahmen wir uns einen Guide, der uns auf dem Boot alles erklärte. Der Fahrtwind und das Wasser waren perfekt, und die Temperatur blieb angenehm.
Ein Highlight war eine Gruppe von Nasenfledermäusen (Rhynchonycteris naso), die aufgereiht unter einem Ast hingen. Dadurch sahen sie aus wie der gezackte Schwanz eines Krokodils; Fressfeinde ließen sie so in Ruhe, und die Tiere konnten friedlich schlafen. Weiterhin gab es noch viele Spitzkrokodile (Crocodylus acutus), die durch das Wasser trieben oder sich am Ufer sonnten. Auch wurden wir wieder von Panama-Kapuzineraffen (Cebus imitator) begleitet. Unzählige Vögel verschiedenster Arten säumten die Ufer und Bäume und boten eine fantastische Klangkulisse.
Der Ausflug hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Zurück am Pool erreichte uns eine sehr aufregende Nachricht: Schildkrötenbabys waren in der lokalen Aufzuchtstation geschlüpft und sollten freigelassen werden. Da wollten wir natürlich unbedingt dabei sein und fuhren zum Strand. Die Sonne stand schon sehr tief, als wir eintrafen. Für 10 USD pro Person bekam man eine Kokosnussschale, mit der man die frisch geschlüpften Tiere in die Freiheit entlassen durfte. Es gab einige Regeln zu beachten; vor allem musste man hinter einer gedachten Linie am Strand stehen bleiben, damit man nicht unabsichtlich eines der Tiere zerquetscht. Es herrschte ein großer touristischer Andrang, aber es war dennoch eine tolle Erfahrung. Paula und ihre Mama ließen die Schildkröten frei, während ich das ganze Schauspiel fotografierte und filmte. Im Hintergrund ging gerade die Sonne unter – ein magischer Moment.
Die Aufzuchtstation gräbt jede Nacht die Nester der dort vorkommenden Schildkrötenarten aus. In unserem Fall waren es junge Oliv-Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea). Die Eier können so in einem geschützten Strandabschnitt im Sand heranreifen und die Jungen später sicher ins Meer geleitet werden. Damit wird die Überlebensrate der Jungtiere erheblich gesteigert und der Fortbestand der Art ein wenig gesichert. Nach diesem aufregenden Ereignis genossen wir noch den wunderschönen Sonnenuntergang am Strand.
Mit tollen Erinnerungen und einer funktionierenden Klimaanlage fuhren wir zurück nach San José. Die Fahrt dauerte einige Stunden, aber unser heiß geliebter Geely Okavango hielt tapfer durch. Zuerst gaben wir das Auto bei Sixt zurück und nahmen uns dann ein Taxi zu unserer letzten Unterkunft, einem Apartment in einem gehobenen Hochhaus. Unser Taxifahrer machte uns etwas Angst, als er meinte, dass die Gegend, in der unsere Unterkunft liege, sehr gefährlich sei und er uns davon abraten würde. Mit einem mulmigen Gefühl kamen wir an, nur um dann zu erfahren, dass er sich geirrt hatte und dies eine sehr sichere und schöne Gegend sei.
Beruhigt checkten wir in unser Apartment im 16. Stock ein und begannen sofort, das Hochhaus zu erkunden. Es gab alles! Einen Pool, eine Dachterrasse, verschiedenste Meeting- und Chill-Räume, ein Kino und einen Waschsalon. Nach der Tour trieb uns der Hunger auf die Straßen von San José. Wir holten uns etwas zu essen und gingen dann noch einkaufen. Danach fuhren wir in das historische Zentrum, waren aber sehr enttäuscht von der Stadt. Also schnell wieder zurück in das schicke Apartment. Bei Netflix und einer Sushi-Bestellung ließen wir den letzten gemeinsamen Abend ausklingen.
Der nächste Tag begann mit dem Abschied von Paulas Mama. Bei gedrückter Stimmung brachten wir sie zum Flughafen. Jetzt waren wir also wieder allein. Wir erkundeten nochmals die Gegend um unsere Unterkunft, hoben US-Dollar für die bevorstehende Reise nach Ecuador ab und gingen nochmals einkaufen. Im Supermarkt bekamen wir ein kurioses Spektakel zu sehen: drei Hochzeiten im Supermarkt! Uns wurde sogar ein Stück der Torte angeboten. Der Hintergrund war, dass der Supermarkt drei Hochzeiten zum Valentinstag verlost hatte, und wir waren durch Zufall Zeugen dieser Zeremonien geworden.
Auch für uns war es am nächsten Tag so weit: Wir mussten packen und zum Flughafen! Ecuador wartete schon auf uns, aber das ist eine andere Geschichte. Wir dachten noch einmal über die tollen Erlebnisse der letzten zwei Wochen nach – wie die Freilassung der Schildkröten – und freuten uns schon auf den nächsten großen Stopp und meinen großen Traum: die Galápagos-Inseln.
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